Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2011:
 
Ein Wohnblock mit zwölf Eingängen und 140 Wohnungen an der Lößnitzstraße wird derzeit zum "Silhouettenhaus" umgebaut.Visualisierung: WGC
 
 
Coswig. Es ist das letzte Großprojekt der Wohnungsgenossenschaft WGC im Wohngebiet Dresdner Straße: Bis Ende des Jahres soll das "Silhouettenhaus" an der Lößnitzstraße fertig sein. Derzeit laufen die insgesamt 5,8 Millionen Euro teuren Umgestaltungsarbeiten am Neubaublock auf Hochtouren, um den ehrgeizigen Termin auch einzuhalten. Zum Vergleich: An den beiden anderen Prestige-Projekten "Mehrgenerationenhaus Am Mittelfeld" und "Terrassenhaus an der Breiten Straße" hat die WGC ebenfalls ein Jahr gearbeitet. Jedoch umfassten diese beiden Blöcke 70 und 35 Wohnungen, beim Silhouettenhaus sind es 140. "Dennoch wollen wir bis zum Ersten Advent fertig sein, damit die Bewohner eine besinnliche Weihnachtszeit haben", sagt WGC-Vorstand Ute Reichelt.
 Geschwungene Balkone an den Seiten des Neubaublocks erinnern an Segel und brechen die Regelmäßigkeit der WBS-70-Platte vom Typ "Dresden". Sie gehören zu den neuen Wohnungen, die umgestaltete Grundrisse haben werden.
Immerhin liegen die Arbeiten "voll im Zeitplan", wie Reichelt sagt. Derzeit wird vor allem auf der Nordseite gebaut, um den Bewohnern in der Urlaubszeit halbwegs Ruhe auf den an der Südseite liegenden Balkonen zu geben. Denn viele der Wohnungen sind bewohnt, auch wenn einige im Zuge der Arbeiten zwischenzeitlich geräumt werden müssen. "Dafür stellen wir allen Bewohnern kostenlose Gästewohnungen zur Verfügung", sagt Reichelt. Die nutzen das Angebot sogar zu einer Art täglichen Wohn-Tourismus: Tagsüber überdauern sie Baulärm und -schmutz in einer Gästewohnung, abends kehren sie zurück, um in ihren eigenen Betten zu schlafen.
 
Das Ziel des Umbaus gleicht den bisherigen Projekten. Die immergleichen Grundrisse der WBS-70 Wohnungen vom Typ "Dresden" sollen aufgebrochen und heutigen Maßstäben angepasst werden. "Eigentlich sind diese Wohnungen nicht so schlecht geschnitten, aber sie haben immer die gleichen Probleme: ein zu kleines Bad und eine zu kleine Küche", sagt Stahr. Der Weimarer Architekt hat sich vor allem in Schwedt in zahlreichen Umbauprojekten Expertenwissen im Umgang mit den Plattenbauten erworben, in Coswig ist er für das Mehrgenerationenhaus verantwortlich. "Bisher konnten wir jeweils nur Teile unserer Ideen verwirklichen. Beim Silhouettenhaus machen wir erstmals alles in einer gebündelten Form", sagt der Entwerfer.
 
 
Sein Konzept gründet im Wesentlichen darauf, das allzu Regelmäßige des 170 Meter langen Wohnblocks auf zubrechen. "Wir wollen ihn für die menschliche Wahrnehmung begreiflich machen", sagt er. Entsprechend erhält die Wohnzeile an ihren Enden großzügige Balkone, die in ihrer geschwungenen Form an Segel erinnern. In der Mitte wird der Block durchbrochen, indem eine Erdgeschosswohnung einem neuen Durchgang weichen muss. Teilweise wird der Gebäuderiegel auf drei Geschosse zurückgebaut, während an anderer Stelle zweistöckige Penthäuser aufgesetzt werden. Diese "Einfamilienhäuser über den Dächern Coswigs", seien schon vergeben, sagt Reichelt und lobt den unverstellten Blick in die Weinberge.
 
In zwei Hauseingängen wird ein Fahrstuhlschach eingebaut.Doch nicht nur in der Höhe variiert die Gestaltung. An zwei der zwölf Hauseingänge wird ein Fahrstuhlschacht angebaut, der mit Bullaugen das Schiffsmotiv wieder aufgreift. Dafür müssen in diesen Eingängen die Treppenhäuser komplett ersetzt werden, damit der Fahrstuhl künftig auf einer Ebene mit den Wohnungen halten kann. Hinzu kommen sogenannte Wohnerker, die als Ausbuchtungen zusätzlichen Wohnraum verschaffen. An den Enden der Zeile werden Einraumwohnungen in Drei-Raum-Wohnungen integriert. Auf diese Weise entstehen 50 neue Wohnungen, die vom typischen Schnitt mit 75 oder 65 Quadratmetern abweichen. Zwei weitere Fahrstuhlschächte, die im Gebäudeinneren angelegt werden, sorgen für zusätzliche Attraktivität.
 
Dabei hat Reichelt nicht nur die alternde Bevölkerung im Blick. "Wir wollen, dass sich die Kinder unserer Mitglieder für eine unserer Wohnungen entscheiden", sagt sie. Auf die Zukunft gerichtet ist auch die Energiebilanz des Hauses. Nach dem Umbau wird es Energiesparhaus sein. Dafür wird in allen Wohnungen die Heizungstechnik umgebaut, die derzeit unbewohnten erhalten Fußbodenheizung. An die Fassade kommt eine neue Dämmung, weshalb auch die Balkone ab Mitte August umgebaut werden. Danach sollen sie größer sein als derzeit. "Dennoch erhöhen wir die Kaltmieten nicht", verspricht Reichelt. In den umgebauten Wohnungen werden künftig sechs Euro pro Quadratmeter verlangt.
 
Von Uwe Hofmann